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So sieht digitale Freizeit im Burgenland aus

In der Sonnentherme Lutzmannsburg sausen Kinder mit VR-Brillen auf dem Kopf über die 202 Meter lange Rutsche. Auf ihren Displays flimmern Drachenwelten und Alien-Landschaften, während sie unter ihnen ins Wasser rutschen. Die Rutsche gilt als die längste Virtual-Reality-Wasserrutsche der Welt und Samsung hat die Technik dafür entwickelt. Seit 2022 steht nebenan ein 5D-Wasserkino, in dem echte Schneeflocken von der Decke fallen. Allein diese Attraktion hat 2,8 Millionen Euro gekostet.

302.584 Übernachtungen zählte das Thermenresort 2025. 10,9 Prozent mehr als im Vorjahr, neuer Rekord. Geschäftsführer Werner Cerutti, der die Therme seit Jahren auf digitale Erlebnisformate getrimmt hat, hat bereits den nächsten Schritt in Richtung Expansion angekündigt, ein Rutschenprojekt über 30 Millionen Euro, das das größte sein soll im DACH-Raum.

Das klingt nicht nach dem Burgenland, das man kennt.

Denn dieses Bundesland, dessen Image stark von den über 2.000 Sonnenstunden im Jahr, dem Neusiedler See und pannonischem Wein geprägt ist, baut seine Freizeitwirtschaft gerade in zwei Richtungen aus. In die analoge Tiefe und in die digitale Breite. Privathaushalte in Österreich haben laut Statistik Austria im Jahr 2023 rund 21,34 Milliarden Euro für Freizeit, Unterhaltung und Kultur ausgegeben.

Dabei wachsen die digitalen Angebote am schnellsten, von Streaming bis zu regulierten Spielplattformen im Netz. Wer sich für lizenzierte Anbieter interessiert, kann etwa mit casino.org legale Online Casinos entdecken und sich einen Überblick über den aktuellen Markt verschaffen, der in Österreich gerade ohnehin im Umbruch steckt. Die bestehenden Glücksspielkonzessionen laufen 2027 aus, ein neues Gesetz soll bis Mitte 2026 stehen. Im Burgenland selbst gibt es 63 Spielautomaten an 25 Standorten. Der stationäre Markt stagniert, der digitale nicht.

Weinfrühling mit 50 Winzern, Buchung per Smartphone

Weinfrühling mit 50 Winzern, Buchung per Smartphone

In Heiligenbrunn, tief im Südburgenland, ist die Welt eine andere als in Lutzmannsburg. Dort kümmert sich der Weinbau- und Kellerverein um die Kellerstöckl, zum Teil sind sie mehrere hundert Jahre alt. Feste rund um den Uhudler, das Kult-Getränk der Region, locken Besucher in Gewölbe, die früher der Weinlagerung dienten. Beim Weinfrühling Südburgenland öffnen über 50 Winzer ihre Keller, ein Shuttleservice verbindet die Standorte.

Analoger geht es kaum. Die Organisation dahinter sieht allerdings ganz anders aus.

Die Burgenland Card, die Nächtigungskarte für Gäste in Partnerunterkünften, bündelt mittlerweile über 380 Leistungen. Seit 1. März 2026 können Karteninhaber gratis mit dem Bus aus Wien anreisen, seit 2024 funktioniert das schon ab Graz. Die letzte Meile von der Haltestelle zur Unterkunft übernimmt das Anruf-Sammeltaxi BAST, ebenfalls gratis, aktiviert per digitalem Pre-Check-in noch bevor man überhaupt im Burgenland ist.

670 Partnerunterkünfte machen mit. Die Karte gilt für Kellergassenführungen in Purbach ebenso wie für den Eintritt in die Sonnentherme oder den Familypark in Sankt Margarethen, Österreichs größten Freizeitpark mit 145.000 Quadratmeter Fläche und rund 700.000 Besucher/Saison.

0,8 Prozent Wachstum, 24 Prozent weniger Insolvenzen

Hinter der Freizeit-Offensive steckt eine wirtschaftliche Dynamik, die leicht übersehen wird. Für das Burgenland vermeldet die Bank Austria fürs Jahr 2025 ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent. Das bedeutet Rang drei im Bundesländervergleich, hinter Tirol und Wien, aber mehr als doppelt so viel wie der österreichische Schnitt von 0,3 Prozent. Die Firmeninsolvenzen sind um 24 Prozent zurückgegangen. Bundesweit stiegen sie um acht Prozent.

Einen Teil dieses Effekts verdankt das Burgenland seinem hohen Anteil an öffentlichem Sektor und Tourismus, Branchen also, die vom industriellen Abschwung weniger betroffen sind. Ob das ein struktureller Vorteil ist oder ein Klumpenrisiko, hängt von der Perspektive ab. Die Wirtschaftskammer verzeichnete 1.592 Neugründungen im Burgenland, über dem Bundesschnitt. Das Förderprogramm „Burgenland Digital“ zog 249 Anträge an, von Buchungsplattformen für Heurige bis zu ERP-Systemen kleiner Handwerksbetriebe. Der maximale Zuschuss lag bei 6.000 Euro pro Unternehmen. Niederschwellig, und vermutlich genau deshalb gut angenommen.

Beim dritten Zukunftssymposium Burgenland am 9. April 2026 auf der Burg Schlaining ging es um den nächsten Schritt. Wirtschaftslandesrat Schneemann eröffnete, Mario Herger berichtete aus dem Silicon Valley, Vertreter von FFG und Austria Wirtschaftsservice stellten Fördermöglichkeiten vor. Georg Schönbauer von der Wirtschaftsagentur formulierte den Anspruch, KI in die betriebliche Praxis zu bringen. Was davon bei einem Heurigen in Rust oder einem Buschenschank in Gaas ankommt, wird sich zeigen.

Côte d’Azur auf der Seebühne

Wer im Sommer 2026 ins Burgenland fährt, trifft auf ein dichtes Kulturprogramm. Die Seefestspiele Mörbisch spielen ab 16. Juli „Ein Käfig voller Narren“ auf der 3.600 Quadratmeter großen Seebühne. Alfons Haider und Mark Seibert teilen sich die Hauptrollen, Drew Sarich, ein Broadway-Veteran, übernimmt alternierend die Rolle der Zaza. Bühnenbildner Walter Vogelweider hat Saint-Tropez an den Neusiedler See verlegt. Bereits am 29. und 30. Mai wird die Starnacht am Neusiedler See den Auftakt machen, moderiert von Barbara Schöneberger und Hans Sigl.

3.379.461 Nächtigungen hat das Burgenland im Tourismusjahr 2025 gezählt. Plus 2,8 Prozent. Nur Wien legte prozentual stärker zu. Die Thermen trugen 34 Prozent aller Übernachtungen bei, die Seefestspiele füllten im Vorjahr mit „Saturday Night Fever“ die Ränge, der Familypark investierte in ein neues Themenrestaurant. Die Wintermonate zogen an, auch dank des Programms „Winterwunder Burgenland“, das rund 180.000 Besucher verzeichnete.

Breite statt Abhängigkeit von einem einzigen Zugpferd. Keine einzelne Attraktion, kein einzelnes Segment soll das Wachstum allein tragen. Thermen, Wein, Kultur, Natur, Freizeitparks, dazu digitale Angebote, die sich über die Burgenland Card zu einem Gesamtpaket verschnüren lassen. Der Familypark gehört einem französischen Konzern, die Sonnentherme einer Landesholding, die Kellergassen den Vereinen vor Ort. Das Nebeneinander wirkt manchmal unkoordiniert. Bisher funktioniert es trotzdem.

Am Neusiedler See machen sie in diesem Frühjahr die Radwege für die Saison fertig. In Lutzmannsburg planen sie Rutschen mit Weltneuheiten. Und in Heiligenbrunn öffnet ein Winzer seinen Keller, der seit drei Generationen in Familienbesitz ist. Alles gleichzeitig, alles Burgenland.

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