Sandra Plomer, Obfrau des Vereins Femunity, spricht im Interview über die Entstehung, Mission und Vision des neu gegründeten Frauennetzwerks. Ziel ist es, Frauen in der Region Neusiedl am See und im nördlichen Burgenland zu verbinden, zu stärken und sichtbar zu machen.
Aus der eigenen Erfahrung des Ankommens in einer neuen Umgebung heraus entstand die Idee, einen Raum für Austausch, Empowerment und Chancengleichheit zu schaffen. Dabei soll Femunity Frauen unabhängig von Alter, Herkunft oder Beruf zusammenbringen und sie gegenseitig bestärken.
Mit regelmäßigen Community-Treffen, Online-Formaten und Projekten wie einem Buchklub will der Verein mehr sein als nur ein Netzwerk – nämlich ein Motor für Zusammenhalt, Sichtbarkeit und Gleichberechtigung.
Interview mit Sandra Plomer

Bildnachweis: © Nadis-Photo
Wie ist die Idee zu Femunity entstanden, und warum war es Ihnen wichtig, diesen Verein zu gründen?
Als zugezogene Frau habe ich lange ein Gefühl von Gemeinschaft vermisst. 2018 bin ich nach Neusiedl am See gekommen, habe die Groß- und Vorstadt bewusst hinter mir gelassen und genossen, was die Region zu bieten hatte.
Einzig ein Netzwerk hat mir hier gefehlt, da auch mein Partner nicht von hier war. Erst nach der Geburt meines Sohnes habe ich als Mama beeindruckende Frauen kennengelernt. Ich habe gespürt, wie viel Kraft im Austausch mit anderen Frauen, die ähnliche Werte oder Lebenssituationen teilen, liegt.
Dadurch habe ich mich in der Region wirklich angekommen gefühlt. Einige dieser Frauen sind ebenfalls “zuagroast” und auch ihnen fehlte ein Netzwerk. Im Gespräch zeigte sich: Ein Ort, wo Frauen sich unabhängig von Beruf, Alter, Herkunft oder Lebensphase connecten und bestärken können, fehlt. Zweiter wichtiger Grundstein: Chancengleichheit. Frauen sind nach wie vor strukturell benachteiligt und es stehen ihnen leider nicht immer alle Türen offen. Vernetzung und Empowerment bekommen so besondere Relevanz.
Im Juni 2024 legten schließlich sieben Frauen den Grundstein für Femunity.
Beim ersten Teammeeting im “Fritz” in Weiden am See beschlossen wir, die Vision gemeinsam umzusetzen und einen Mehrwert für die Region zu schaffen.
Im Oktober 2024 einigten wir uns auf den Namen Femunity – zusammengesetzt aus Female, Community und Unity. Er unterstreicht unsere Mission: eine starke Frauen-Community im nördlichen Burgenland zu schaffen, die sich gegenseitig stärkt und Konkurrenzdenken keinen Platz gibt. Wie Michelle Obama meinte: “Es gibt keine Grenzen für das, was wir als Frauen erreichen können.” – Und noch einfacher geht es gemeinsam!
Ihre Mission beschreibt Femunity als Netzwerk für Wissenstransfer, Austausch und Empowerment. Wie möchten Sie diese Ziele konkret in die Praxis umsetzen — sowohl digital als auch bei Präsenzveranstaltungen?
Dazu haben wir folgende Formate geplant:
- Wir möchten Raum zur Vernetzung und Austausch im Zuge von regelmäßig stattfindenden Community Treffen schaffen. Jedes Treffen soll ein bestimmtes, Frauen relevantes Thema (wie zB Mental Load, Care Gap, etc.) aufgreifen, wozu das Femunity Team Inputs und Impulse gibt.Im Anschluss ist Platz, um sich darüber untereinander auszutauschen und gemeinsam Strategien zu entwickeln, um gewissen Herausforderungen gestärkt entgegenzutreten.
Im Ausklang eines jeden Treffens stehen dann die Vernetzung und das Kennenlernen wieder im Vordergrund. Mit diesem Format, das in unterschiedlichen Gemeinden stattfinden soll, starten wir ab Oktober. - Ab 2026 soll es zusätzlich regelmäßig Online-Vorträge von externen Expert:innen geben. Auch hier wird der Fokus auf Frauen relevante Themen gelegt und der Transfer von Wissen steht im Vordergrund.Wir streben mit den Vorträgen eine Bewusstseinsbildung zu Frauen relevanten Themen, die patriarchale Strukturen hinterfragen und entkräften sollen. Durch das Online-Format soll der Zugang noch niederschwelliger für die gesamte Region möglich sein.
- Zudem wird noch im Oktober 2025 der erste Buchklub stattfinden, welcher auch eines unserer regelmäßigen Formate sein wird. Dabei widmen wir uns sowohl feministischer Literatur als auch Belletristik von Schriftstellerinnen.
Wie wählen Sie relevante Themen und Inhalte für Ihre Mitglieder aus – gibt es dafür ein systematisches Vorgehen wie Umfragen oder Feedback?
Da sprechen Sie einen für uns sehr wichtigen Punkt an. Bei Femunity sollen alle Mitglieder mitgestalten können. Interessen und gewünschte Inhalte planen wir sowohl durch anonyme Online-Umfragen bzw. Fragebögen bei unseren Veranstaltungen, Aufrufe zur Diskussion in den Online-Foren sowie gemeinsames Brainstorming, zB in Form von World Cafés, bei Präsenztreffen in Erfahrung zu bringen.
Sandra Plomer: Femunity als Impulsgeber für Sichtbarkeit und Vernetzung in der Region

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In welcher Weise sehen Sie den Einfluss Ihrer Arbeit auf die Region, den Bezirk Neusiedl am See und das nördliche Burgenland?
Wir möchten mit Femunity auch einen Raum schaffen, in dem Frauen im ländlichen Raum sichtbarer werden und diesen aktiv mitgestalten können.
Und mehr Sichtbarkeit geht meist mit gesteigerter Anerkennung und besseren Chancen einher.
Ein wunderbarer Nebeneffekt ist dabei ein verbesserter gesellschaftlicher Zusammenhalt in der Region. Unsere Treffen finden zudem an wechselnden Orten statt – öffentlich, barrierearm und nah an den Menschen – und beleben so Ortszentren.
Durch Kooperationen mit bestehenden Vereinen und Initiativen möchten wir zudem Synergien schaffen und bereits vorhandene Strukturen stärken.
Wenn Sie auf die nächsten zwei bis drei Jahre blicken: Welche Vision oder Ziele haben Sie für Femunity, und wie möchten Sie persönlich dazu beitragen, dass diese Wirklichkeit werden?
In drei Jahren zählt Femunity unserer Vorstellung nach zu den wichtigsten Anlaufstellen für Frauenthemen in der Region, was Gemeinschaft, Vernetzung und Austausch betrifft. Und das aus mehreren Gründen: Mit wachsender Mitgliederzahl und zahlreichen Mitgestalterinnen möchten wir bis dahin zu einer richtig starken Gemeinschaft heranwachsen.
In den drei Jahren unserer Tätigkeit haben Frauen in Workshops und Vortragsreihen Werkzeuge in die Hand bekommen, um selbstbewusst Gleichberechtigung zu fordern. Unsere Mitgliederinnen können mit dem Thema Mental Load besser umgehen und sehen sich in ihrem Selbstbild gestärkt. In drei Jahren sind wir der Chancengleichheit in der Region wieder einen Schritt näher gekommen.
Unsere umfassende Online-Mitgliederdatenbank ist gefüllt mit Profilen von starken und selbstbewussten Frauen und es gibt Kooperationen mit weiblichen Keyplayern aus der Privatwirtschaft, um dieses Potenzial an entsprechenden Stellen auch der Region zuzuführen.
Ein regionaler Online-Veranstaltungskalender zu frauen- und familienrelevanten Themen sowie ein umfassendes digitales Service Register für Frauen wird rege besucht und dient Frauen als weitere nützliches Tool.
Dies alles möchte ich als Obfrau des Vereins zusammen mit meinem ambitionierten Team ehrenamtlich möglich machen.
Wie möchten Sie Frauen in unterschiedlichen Lebenssituationen dazu ermutigen, Teil von Femunity zu werden und sich aktiv einzubringen?
Wir möchten Frauen in unterschiedlichen Lebenssituationen ermutigen, Teil von Femunity zu werden, indem wir klar kommunizieren: Jede Frau und als Frau gelesene Person ab 18 Jahren ist willkommen – unabhängig von Herkunft, Alter, Beruf oder Lebenssituation.
Femunity versteht sich als Safe-Space für Austausch und gegenseitige Unterstützung.
Durch regelmäßige Erhebungen und das aktive Einbeziehen der Community gestalten wir unser Angebot flexibel nach den Bedürfnissen unserer Mitglieder.
Für alleinerziehende Frauen, oder Frauen in einer finanziell herausfordernden Situation, bieten wir zudem die Mitgliedschaft zu einem reduzierten Betrag an.
Was erwartet die Besucherinnen beim Kick-Off am 8. Oktober 2025, und worauf freuen Sie sich dabei persönlich am meisten?
Beim Femunity-Kick-Off präsentieren wir unsere Vision und stellen uns vor. Gleichzeitig handelt es sich um das erste Community Treffen. Dabei gehen wir bereits in den Austausch mit den anwesenden Frauen und identifizieren gemeinsam Erwartungen und relevante Themen in Form eines World Cafés. Zudem wird es eine Kinderecke sowie Getränke und Snacks geben.
Ich persönlich freue mich am meisten darauf, die teilnehmenden Frauen kennenzulernen und die kraftvolle weibliche Energie zu spüren, wenn wir ein Stück weit gemeinsam die Zukunft von Femunity gestalten.
Über Sandra Plomer:
Ich bin in Wien geboren und aufgewachsen und lebe seit 2018 mit meinem Mann, unserem 5-jährigen Sohn und Hund in Neusiedl am See. Privat stehe ich am liebsten auf Boards – ob Kitesurfen, Wellenreiten oder Surfskaten – und lese gerne. Beruflich führte mich mein Weg von der Goldschmiedin und Kunsthistorikerin vor über 10 Jahren als Quereinsteigerin in die Bereiche E-Learning und Webdesign.


