Meine Kollegin bekommt mehr Gehalt für die gleiche Arbeit? Du erfährst, dass deine Kollegin mehr Gehalt für die gleiche Arbeit bekommt, obwohl ihr dieselben Aufgaben, Qualifikationen und Verantwortungen habt? Das ist nicht nur frustrierend, sondern kann auch eine rechtliche Dimension haben. Der Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit“ ist gesetzlich verankert.
In diesem Artikel erfährst du, wann ein Gehaltsunterschied erlaubt ist, wann er als Diskriminierung gilt, wie du über dein Gehalt sprechen kannst und mit welchen Strategien du eine Gehaltserhöhung verhandeln kannst.
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – was bedeutet das?
Der Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ ist im Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG) festgelegt. Es besagt, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die gleiche oder gleichwertige Arbeit leisten, Anspruch auf das gleiche Gehalt haben – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Alter oder Beschäftigungsart.
Das bedeutet: Wenn du die gleiche Tätigkeit ausübst wie deine Kollegin oder dein Kollege, darf dein Arbeitgeber dir nicht weniger Gehalt zahlen, es sei denn, er kann den Unterschied durch objektive Kriterien rechtfertigen – etwa Berufserfahrung, Qualifikation oder zusätzliche Aufgaben.
Meine Kollegin bekommt mehr Gehalt für die gleiche Arbeit – Lohndiskriminierung
Eine Lohndiskriminierung liegt vor, wenn Beschäftigte bei vergleichbarer Tätigkeit systematisch weniger verdienen, ohne dass es sachliche Gründe dafür gibt. Besonders häufig betrifft das Frauen, die laut Statistischem Bundesamt in Deutschland durchschnittlich rund 18 Prozent weniger verdienen als Männer – der sogenannte Gender Pay Gap.
Typische Fälle:
- Ein männlicher Kollege verdient mehr für dieselbe Arbeit ohne erkennbaren Grund.
- Neu eingestellte Mitarbeiter erhalten ein höheres Gehalt als langjährige Beschäftigte.
- Eine Führungskraft bevorzugt bestimmte Personen bei Gehaltserhöhungen.
Wenn keine objektiven Gründe (z. B. Qualifikation, Verantwortung, Erfahrung) bestehen, kann das eine verbotene Benachteiligung nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sein.
Welche Gründe kann ein Arbeitgeber für unterschiedliches Gehalt haben?
Nicht jeder Gehaltsunterschied ist automatisch eine Diskriminierung. Der Arbeitgeber darf unterschiedliche Gehälter zahlen, wenn er das mit nachvollziehbaren, sachlichen Gründen begründen kann.
Mögliche Gründe:
- Langjährige Erfahrung oder höhere Qualifikation
- Zusätzliche Aufgaben oder Führungsverantwortung
- Branchenübliche Unterschiede in Tarifverträgen
- Regionale Unterschiede bei Lebenshaltungskosten
- Leistungskomponenten (z. B. Provision, Bonus)
Fehlt jedoch eine objektive Begründung, ist der Gehaltsunterschied unzulässig. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können in diesem Fall Auskunft verlangen und notfalls rechtlich dagegen vorgehen.
Wie finde ich heraus, ob ich weniger verdiene?
Seit Inkrafttreten des Entgelttransparenzgesetzes haben Beschäftigte in Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitenden das Recht, eine Auskunft über das Gehalt vergleichbarer Kolleginnen und Kollegen zu verlangen.
So gehst du vor:
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Antrag stellen: Du kannst bei der Personalabteilung oder dem Betriebsrat einen Antrag auf Auskunft über das durchschnittliche Gehalt deiner Vergleichsgruppe stellen.
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Vergleichsgruppe definieren: Dabei werden Personen berücksichtigt, die eine gleiche oder gleichwertige Tätigkeit ausüben.
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Ergebnis prüfen: Wenn du feststellst, dass du weniger verdienst, kannst du den Arbeitgeber zur Begründung auffordern.
Dieses Auskunftsrecht schafft Transparenz und hilft, Gehaltsunterschiede aufzudecken, die oft im Verborgenen bleiben.
Meine Kollegin bekommt mehr Gehalt für die gleiche Arbeit – Darf ich sprechen?
Ja, du darfst – entgegen vieler Mythen – über dein Gehalt sprechen. Eine sogenannte Verschwiegenheitsklausel im Arbeitsvertrag ist in Bezug auf Gehaltsangaben meist unwirksam, da sie gegen das Recht auf Entgelttransparenz verstößt.
Offen über das Gehalt zu reden kann helfen, Ungleichheiten sichtbar zu machen. Besonders in großen Unternehmen mit komplexer Gehaltsstruktur ist es sinnvoll, sich mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen, um ein realistisches Bild des eigenen Marktwerts zu erhalten.
Was tun, wenn meine Kollegin mehr Gehalt bekommt?
Wenn du erfährst, dass deine Kollegin mehr Gehalt für die gleiche Arbeit bekommt, solltest du besonnen vorgehen.
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Beweise sammeln: Dokumentiere deine Aufgaben, Verantwortlichkeiten und ggf. deine Arbeitszeiten, um die Vergleichbarkeit nachzuweisen.
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Gespräch suchen: Sprich mit deinem Vorgesetzten oder der Personalabteilung und formuliere deine Wahrnehmung sachlich: „Ich habe festgestellt, dass es Unterschiede bei der Vergütung gibt. Können Sie mir erklären, woran das liegt?“
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Auskunft verlangen: Wenn du in einem größeren Unternehmen arbeitest, kannst du dich auf das Entgelttransparenzgesetz berufen.
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Rechtliche Schritte prüfen: Bleibt der Arbeitgeber eine Begründung schuldig, kann ein Fachanwalt für Arbeitsrecht prüfen, ob eine Benachteiligung vorliegt.
Wie spreche ich das Thema Gehalt im Gespräch an?
Ein Gehaltsgespräch erfordert Fingerspitzengefühl und gute Vorbereitung. Wichtig ist, dass du nicht emotional, sondern faktenbasiert argumentierst.
Tipps für das Gespräch mit deinem Chef:
- Bereite dich mit konkreten Zahlen vor – z. B. durchschnittliche Gehälter in deiner Branche.
- Betone deine Leistungen und den Wert, den du für das Unternehmen bringst.
- Sprich in Ich-Botschaften: „Ich möchte über mein Gehalt sprechen, weil ich sehe, dass meine Verantwortung gestiegen ist.“
- Vermeide Vergleiche mit einzelnen Kollegen direkt – bleibe professionell.
Wenn du unsicher bist, übe das Gespräch vorher mit einer vertrauten Person oder einem Karrierecoach.
Wie läuft eine Gehaltsverhandlung ab?
Eine Gehaltsverhandlung ist kein Kampf, sondern ein strategisches Gespräch. Arbeitgeber erwarten von engagierten Mitarbeitenden, dass sie ihren Marktwert kennen und über ihr Durchschnittsgehalt sprechen.
So gehst du vor:
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Timing wählen: Wähle den richtigen Zeitpunkt – z. B. nach erfolgreichem Projektabschluss oder im jährlichen Mitarbeitergespräch.
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Ziele definieren: Überlege dir, welches Gehalt realistisch ist und welche Argumente du dafür hast.
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Alternative Benefits ansprechen: Wenn kein höheres Gehalt möglich ist, frage nach Bonusregelungen, Weiterbildung oder flexiblen Arbeitszeiten.
Selbstbewusst, aber respektvoll zu verhandeln, signalisiert Professionalität und zeigt, dass du deinen Wert im Unternehmen kennst.
Welche Rolle spielt der Gender Pay Gap?
Der Gender Pay Gap beschreibt den durchschnittlichen Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen. In Deutschland beträgt dieser aktuell etwa 18 Prozent, in manchen Branchen sogar mehr.
Ursachen sind oft strukturell: Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, übernehmen weniger Führungspositionen oder verhandeln seltener über ihr Gehalt. Doch selbst bei gleicher Tätigkeit und vergleichbarer Qualifikation verdienen Frauen im Schnitt 6 Prozent weniger – der sogenannte bereinigte Gender Pay Gap.
Das Entgelttransparenzgesetz soll genau hier ansetzen und sicherstellen, dass alle Beschäftigten gleich bezahlt werden – für gleiche oder gleichwertige Arbeit.
Wie kann ich mich auf eine faire Gehaltsverhandlung vorbereiten?
Eine gute Vorbereitung ist entscheidend, wenn du mehr Gehalt für die gleiche Arbeit fordern willst.
So bereitest du dich vor:
- Analysiere dein aktuelles Gehalt und vergleiche es mit branchenüblichen Werten.
- Dokumentiere deine Erfolge und messbaren Ergebnisse.
- Definiere dein Wunschgehalt und deine untere Schmerzgrenze.
- Überlege, welche Argumente der Arbeitgeber bringen könnte – und wie du darauf reagierst.
Je besser du vorbereitet bist, desto überzeugender trittst du im Gehaltsgespräch auf.
Welche rechtlichen Möglichkeiten habe ich bei Benachteiligung?
Wenn du glaubst, aufgrund deines Geschlechts oder anderer Merkmale benachteiligt zu werden, hast du rechtliche Möglichkeiten:
- Du kannst eine Klage auf gleiches Entgelt beim Arbeitsgericht einreichen (§ 7 EntgTranspG).
- Das Gericht prüft, ob eine Benachteiligung vorliegt und ob du Anspruch auf Nachzahlung hast.
- Bei Verstößen drohen dem Arbeitgeber Schadensersatzforderungen.
Bevor du diesen Schritt gehst, ist eine Beratung durch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht ratsam.
Fazit – Meine Kollegin bekommt mehr Gehalt für die gleiche Arbeit
Wenn deine Kollegin mehr Gehalt für die gleiche Arbeit bekommt, musst du das nicht einfach hinnehmen. Transparenz, rechtliche Kenntnisse und Verhandlungsgeschick helfen dir, dein faires Gehalt durchzusetzen.
FAQs: „Meine Kollegin bekommt mehr Gehalt für die gleiche Arbeit“
Was ist das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit?
Das Recht auf gleichen Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit ist im Entgelttransparenzgesetz und in der EU-Gleichbehandlungsrichtlinie verankert. Es verpflichtet Arbeitgeber, Beschäftigte unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Teilzeitstatus gleich zu bezahlen, wenn sie vergleichbare Tätigkeiten ausüben.
Wann liegt eine Lohndiskriminierung vor?
Eine Lohndiskriminierung liegt vor, wenn ein Arbeitnehmer oder eine Arbeitnehmerin für gleiche oder gleichwertige Arbeit weniger verdient, ohne dass objektive Gründe wie Qualifikation, Erfahrung oder Leistung vorliegen. Besonders bei geschlechtsspezifischen Gehaltsunterschieden ist dies häufig der Fall.
Was bedeutet gleicher Lohn für gleiche Arbeit?
Das bedeutet, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die vergleichbare Aufgaben und Verantwortung tragen, Anspruch auf das gleiche Gehalt haben. Unterschiede dürfen nur bestehen, wenn sie sachlich gerechtfertigt sind – z. B. durch längere Betriebszugehörigkeit oder Zusatzqualifikationen.
Kann der Arbeitgeber das Gehalt ändern?
Ja, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen:
- Eine Gehaltserhöhung oder Kürzung muss vertraglich oder einvernehmlich erfolgen.
- Der Arbeitgeber darf das Gehalt nicht einseitig ohne Zustimmung oder Änderungskündigung ändern.
- Bei Verstößen kannst du dich auf das Arbeitsrecht berufen und rechtlich dagegen vorgehen.




